Ich muss schnell machen. Wie alles in den letzten zwei Monaten (Happy Anniversary, Liebes!). Wenn das Mädchen schläft kann das 6 Minuten oder 6 Stunden dauern (Yeah, Premiere! Gestern war sie tatsächlich von 16:00 bis 22:00 wie im Koma. Das Ganze jetzt noch um ein paar Stunden nach hinten verschoben und Mama und Papa fühlen sich wieder ansprechbar, nicht mehr ferngesteuert, am Leben, wie nach zwei Wochen Mexiko-Urlaub.
Sobald das Goldkind also seine Augen schließt, schieße ich gedanklich aus den Startblöcken. Was mache ich zuerst? Was ist am wichtigsten, was am dringendsten, was dauert am wenigsten lange, wozu brauche ich meine Hände und was kann ich später mit dem Baby im Tragetuch machen? Ich war früher beispielsweise eine "Langduscherin". Unter 20 Minuten ging nix. Seit ich (angehende) Meisterin im Task- und Timemanagement bin, bin ich schon wieder trocken, noch bevor ich überhaupt in die Dusche gestiegen bin. Essen ohne zu kauen geht auch, bin ich draufgekommen. Das Kind hat ein untrügliches Gespür dafür, wann der Mann und ich essen wollen. Dann verkündet sie nämlich mit ziemlicher Sicherheit unmissverständlich ihren Wunsch nach Nahrungsaufnahme. Konkret sieht das so aus, dass der Mann das hungrige Mädchen abzulenken versucht, während ich mir in affenartiger Geschwindigkeit das (noch warme) Essen reinstopfe. Neuer Rekord: Eine ganze Pizza, 1/2 alkohlfreier Radler und ein Eis in 7 Minuten.
Zurück zum Schlaf. Bleibe ich mit dem Mädchen im Bett, kann ich mir ziemlich sicher sein, dass sie nach ein paar Augenblicken wieder munter ist. Ich, schnell, aber eben gerade erst eingeschlafen, brauche dann umso länger, um wieder in die Gänge zu kommen. Heute fühle ich mich so, als würde ich seit Stunden versuchen, aus einer Vollnarkose zu erwachen. Dabei hatte ich nicht einmal die Gelegenheit, meine Äuglein in der Horizontalen zu schließen. Denn, wie so oft im (neuen) Leben, wird mir heute erstmalig auch in dieser Angelegenheit die Entscheidung abgenommen: Das kleine Kätzchen findet schlafen im Bett nämlich eher unlustig, d.h. Mama Katzenklappe packt das vor Müdigkeit augengerötete Kind in eine Tragehilfe und marschiert in der Wohnung herum. Hautkontakt, Herzschlag spüren und Wärme machen das Mädchen schläfrig. Und Bewegung. Der Nachwuchs will gewippt und geschaukelt werden. Denn Hinsetzen kann ich dabei gleich mal vergessen. Zumindest solange sie nicht im Tiefschlaf ist.
Weil wir schon beim Tragen sind. Herrlich, wenn man beide Hände wieder zur Verfügung hat. Weniger herrlich, wenn man auch im Bikini schon schwitzen würde und glitschig ist wie ein eingeölter kalifornischer Beachbody, aber dann noch ein wärmendes Stoffteil um den Oberkörper hat, in dem ein schwitzendes Baby steckt. Sommer. Hurra!
Die Beschreibung der täglichen Herausforderungen ließe sich noch lange fortsetzen. Ja, ich fühle mich an manchen Tagen an meine Grenzen gebracht, vor allem an die physischen. Mir tut alles weh, ich sehne mich so sehr nach Schlaf, dass ich was weiß ich alles dafür geben würde und kann dadurch kaum einen klaren Gedanken fassen. Ich funktioniere.
In Momenten, in denen ich denke, ich kann nicht mehr, ich brauche ein Time-Out, schaue ich das kleine Wesen vor mir an und das Paket der Verantwortung, das ich freiwillig und aus ganzem Herzen übernommen habe, wird plötzlich ganz leicht und Energie schießt in mich ein.
Ich liebe dieses Kind mehr als ich beschreiben kann. Eine so bedingungslose und selbstlose Liebe, die mich in ihrer Intensität überwältigt und mich zu Tränen rührt. Wie konnten wir nur ohne dich leben, mein Engel?
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