Wer denkt, den Alltag mit Kind zu kennen (wie ich), ohne überhaupt ein einziges Mal in der Stadt - noch dazu mit Kinderwagen (aber ohne Auto) - unterwegs gewesen zu sein (wie ich), muss ein Träumer sein (wie ich).
Zillionen von Dingen müssen, wenn man vorhat auch noch Einkäufe zu erledigen, auf kleinstem Raum untergebracht werden. Wenn ich das gewusst hätte, wäre mir nur ein Kinderwagen mit Anhängerkupplung ins Haus gekommen. Und das Kind sollte im Idealfall von all den Windeln, Feuchttüchern, Stillsäften und Lebensmitteln nach Möglichkeit nicht erstickt werden. Türeaufhalten ist in Geschäften wohl auch nicht mehr. Gaaanz super easy ist es, mit Kinderwagen in ein Gebäude/einen Raum zu gelangen! Not.
Tja, und dann ist da die Sache mit dem Stillen. In der Öffentlichkeit. Wenn's heiß und windig ist, einem die Sauce vorne und hinten runter rinnt und die als Sichtschutz gedachte, klarerweise geöffnete Blusenvorderseite elegant davon geweht wird. Auf gleichem Spassniveau stufe ich das Stillen in Einkaufszentren ein. Wenn nämlich das einzige Wickelzimmer stundenlang okkupiert wird und man selbst (mit tausend Einkaufssackerln) nur eine einzige Ausweichmöglichkeit hat: die Sitzbänke direkt bei den Rolltreppen. Damit man ja gut ausgeleuchtet im Zentrum der shoppenden Menge sitzt, sollte die Milchbar entblösst werden.
Nächste Challenge: Busfahren.
Weiters habe ich aufgegeben, den Haushalt führen zu wollen. Soll er schauen, wie er mit sich selbst zurecht kommt. Mir doch egal. Ich kündige. Nichts, aber auch gar nichts ist zurzeit wichtiger als eine Mütze voll Schlaf.
Sollte das alles (besonders für Nichtmütter) etwas zu dramatisch klingen, möchte ich relativierend anmerken, dass es mir - von ein paar Durchhängern abgesehen - großartig geht und wir sehr glücklich sind. Das Katzenklappen-Mädchen ist ein getarnter Engel, der zufrieden ist, solange er satt ist. Kein unerklärbares Schreien, kein irritierendes Verhalten, auf das wir nicht zu reagieren wüssten. Nichts dergleichen. Und trotzdem ist Muttersein für mich ein körperlich anstrengender Fulltime-Job und eine emotionale Achterbahn. Auch die Löwenmutter in mir ist schon erwacht. Und wie ich die Krallen ausfahren kann, wenn meine Kleine zu beschützen ist!
Ich liebe dieses neue Leben (Achtung! Doppeldeutig!), aber ich kann voll und ganz verstehen, wenn sich jemand gegen eigene Kinder entscheidet. Ich bin erst seit knapp vier Wochen Mutter, aber das kann ich jetzt schon sagen: man muss das alles schon wirklich, wirklich wollen.
ich weiß noch wie lange ich gebraucht habe, um so einfache (haha) Dinge wie busfahren mit Kinderwagen drauf hatte. lernste alles demnächst. meine wickeltasche für pe war winzig. ich bin Meisterin im packen. die Anstrengung kam bei mir vom Dauer aktiv sein. sogar im Schlaf paßt man irgendwie auf. da gibt's kein passiv.
Kommentiert von: frauniepi | 28. Mai 10 um 18:25 Uhr
Auch als unwissende Nichtmutter kann ich das sehr gut verstehen. Zumindest das mit dem Kinderwagen, habe ja auch jahrelang kleine Geschwister in solchen Dingern transportiert. Busfahren, Rolltreppen, schwere Türen - alles eine Sache der Übung!
Ich hoffe alles andere wird auch einfach, sobald ein bisschen mehr Routine reinkommt :)
Kommentiert von: kittynn | 28. Mai 10 um 21:19 Uhr
das hast du sehr, sehr gut be- und geschrieben. so ist das muttersein. und bevor man in der nummer drin ist (aus der es ja kein entrinnen mehr gibt) hat man von dieser rolle oft ein verzerrtes bild. vor allem, weil man die "belastungen" anderen nicht ansieht. sich nicht vorstellen kann... grad am anfang hab ich mir oft gewünscht, sie wieder "reinstecken" zu können :D
(und was die packlerei angeht. erst seit kurzem fahren wir mit den kindern "ohne umzugskisten" weg. es soll ja perfektionisten geben, die haben immer und überall 2x wechselklamotten dabei und so ;)))
Kommentiert von: stilke | 28. Mai 10 um 22:35 Uhr
Ja, ich glaub vorher kann man sich das nie zu 100% vorstellen, wie's sein wird/könnte, da man die ganzen Kleinigkeiten nicht bedenkt.
Manche Einkaufstüren sind auch so schon schwer zu öffnen, wenn man 1000 Sackerl dabei hat. Was ist erst, wenn man einen Kinderwagen schieben muss?? *huch*
Kommentiert von: M. | 29. Mai 10 um 08:56 Uhr
@frauniepi: Meisterin im Packen? Sowas gibt's? Mich frisst der Neid. Bis jetzt hatte ich immer genau das Falsche mit. Zu viel von X, zu wenig von Y. Busfahren lasse ich einstweilen lieber noch...
@kittynn: Ich weiß, du weißt wovon du sprichst. Habe vergessen, dass du ja das eine oder andere Geschwisterchen hast. ;)
@stilke: Stimmt genau. Man bzw. ich hatte ein verzerrtes Bild vom Motherbusiness ((c)Katzenklappe). Aber wie soll man es denn auch besser wissen? So etwas KANN man sich nicht vorstellen, so lange man das Gesamtpaket "Muttersein" nicht selbst trägt. So schön es ist...es ist halt auch anstrengend.
@M: Wenn ich ganz lieb dreinschaue, erbarmt sich ja der/die eine oder andere und hält die Tür auf. Nicht alle Mitmenschen ignorieren mein wimmerndes Flehen. ;) ;) ;)
Kommentiert von: katzenklappe | 02. Juni 10 um 13:05 Uhr