Zurück in die Zukunft

« März 2008 | Start | Mai 2008 »
Gestern wollte ich mir ein feines Hühnerkeulchen bruzzeln. Die Küche muss jetzt neu gestrichen werden. Ende.
Besuche blutsverwandter Menschen, die man sich bekanntlich nicht aussuchen kann, lösen bei vielen, die ich kenne einen Fluchtreflex aus. Für nächste Woche haben sich meine Eltern angekündigt.
Aber bei uns läuft das anders. Monatelang musste ich sie förmlich beknien, dass sie doch endlich mal wieder die Monsterstrecke von Linz nach Klagenfurt (meine Eltern sehen das tatsächlich so) für mich auf sich nehmen.
Der Wunsch, meiner Familie nahe zu sein, war noch nie so stark wie jetzt. Vor zehn Jahren zog ich von zuhause aus, um genau solche Zusammentreffen auf ein Minimum zu beschränken. Unterschiedliche Auffassungen darüber, "was das Beste für mich sei", haben u.a. dazu geführt. Aber je älter ich werde, desto besser verstehe ich, warum die Dinge in der Vergangenheit so gelaufen sind. Eltern sind eben auch nur Menschen mit einer Lebensgeschichte, die sie handeln lässt, wie sie persönlich es für richtig halten.
Der Ärger, das Unverständnis und die Kränkungen über Gesagtes und Getanenes haben Platz gemacht für den Blick auf die Menschen hinter ihrer "Funktion". Es mag eigenartig klingen, aber ich lerne mit jedem Gespräch ihre Lebensgeschichte erst jetzt richtig kennen. Und das bringt meine Eltern und mich Schritt für Schritt näher.
...Koriandersamen schenken. Jawohl, Internet. Frau Katzenklappes Herz schlägt für den Underdog unter den Gewürzen. Leider aber schwer zu kriegen, wenn man, so wie ich, "marktfaul" ist. Wer weiß oder zumindest nachvollziehen kann, wiiiiie gerne ich jedes Happi mit diesem Grünzeugs zu einem Höhenflug verhelfen wollen würde (aber es tatsächlich aufgrund Beschaffungsschwierigkeiten eben kaum tue), kann meine Begeisterung für SEIN gestriges Mitbringsel bestimmt verstehen. Oh, I can feel the love.
Wer Watt(e)n nicht kennt, verpasst was. Mein Papa, ein Südtiroler, hat's mir vor Jahren beigebracht. Es ist das einzige Kartenspiel, das ich beherrsche und das ich zu jeder Tages- und Nachtzeit spielen kann. Recht gut sogar. Normalerweise.
Und so kann es schon mal vorkommen, dass ich innerhalb von 60 Minuten nach Büroschluss mit IHM zwei (sich schnell bemerkbar machende) Flaschen Bier kippe und darüber grüble, warum ich grad zwei Partien versemmelt hab. So wie heute zum Beispiel.
In diesem Zustand sind die Mädchen bei Schöamänis näxxt Topmodel wenigstens gleich viel hübscher anzusehen. Aber Heidi nervt dafür umso mehr und Gisele, die Dauerwinslerin, verstehe ich immer noch nicht.
Schon als Kind spürte ich den Drang zu reisen. Mit vierzehn schlug ich meiner Mama vor, mich als Austauschschülerin doch nach Turks & Caicos zu schicken. Das klang so schön exotisch und so weit weg. Wie das Paradies, das es für mich zu entdecken galt. Gelandet bin ich dann für ein paar Wochen in der Schweiz. Auch gut, nur nicht ganz so abenteuerlich.
Mit fünfzehn verbrachte ich den Sommer bei bis dahin wildfremden Leuten in Portland, Oregon. Auf deren Adresse kam ich durch ein Buch, das sich mit der Herkunft meines Familiennamens beschäftigte. Im Anhang fand sich praktischerweise eine Liste mit Personen auf der ganzen Welt, die eines gemeinsam haben. Genau. Den Nachnamen.
Wenn diese Gemeinsamkeit mal nicht Grund genug ist, mich für mehrere Wochen bei sich aufzunehmen, dachte ich mir, und lud mich bei einer Dame, die auch noch denselben Vornamen hatte wie ich, gleich für ein paar Wochen ein. Klingt schräg, war es auch. Bis heute bin ich dankbar für diese Erfahrung. Die Dame und ihr Ehemann wurden übrigens sowas wie meine amerikanischen Zweitfamilie, mit der ich heute noch in Kontakt bin.
Es muss ja nicht immer so abenteuerlich sein. Aber ich vermisse das Reisen so sehr, dass es mir fast körperliche Schmerzen bereitet. Ich brauche meinen nächsten Schuss!
Ich bin übers Wochenende zwei Tage älter geworden, ohne mich geistig, mental oder körperlich weiterentwickelt zu haben. Ist ja grundsätzlich nicht sooo schlimm. War ja eh alles ganz nett soweit. Aber ich hoffe, dass unser wochenendlicher Besuch eines bodenständigen Gasthauses (hervorragendes Beef Tartare) und eines "Privatcasinos" in Slowenien ("Die Bank gewinnt immer!"), der anschließende Zockerabend und der heutige Freizeitmesse-Besuch nicht eines Tages zu den Höhepunkten meines Daseins zählen werden. But for now it's alright.
Das hab ich nun davon, dass ich vergangene Woche das eine Katzentier nass gespritzt hab. Lektion "Die wird sich endgültig merken, dass sie im Bad nix verloren hat" ging voll daneben. Jetzt hat Fellmarschall M. eine Blasenentzündung, die sich gewaschen hat. Lullipfützen in der ganzen Wohnung verteilt, inklusive.
Aber wenn wir schon beim Bodenaufwischen sind, machen wir auch gleich die Blutreste des Federviehs weg, das heute Morgen sein Leben in unserem Arbeitszimmer lassen musste. Ein Dank geht an dieser Stelle an Fellmarschall E..
Briefe zu schreiben, Worte per Hand auf Papier zu bringen, hat für mich etwas sehr Sinnliches. Das haptische Erlebnis beim Öffnen des Kuverts und beim Entfalten des Inhalts, um danach seine Augen über das Geschriebene fliegen zu lassen, ist einfach nicht mit einem Klick auf "1 neue Nachricht" zu vergleichen. Aber...ist halt nicht (mehr).
E-cards geben den Worten zwar gewissermaßen ein Gesicht, aber sie sind jetzt trotzdem nicht das Gelbe vom Ei. Inhaltlich wie optisch ansprechend finde ich allerdings die Idee des emotionmail von Römerquelle (bzw. der Agentur Jung von Matt), die "Text zu Gefühlen, und Gefühle zu Bildern" macht. Einfach schön. Und mal was anderes.
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